Tell (arab., Mehrzahl tulul oder telul, "Hügel", auch Tepe oder Hüyük) von Alfred Werner Maurer.

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Tell


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Abbildungen

2 Topographie Tell Kamid el-Loz mit gegrabenen Arealen

4 Ausgrabung im Tempelbereich
5 Der spätbronzezeitliche Tempel T2 (ältestes Baustadium)


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Tell (arab., Mehrzahl tulul oder telul, "Hügel", auch Tepe oder Hüyük)

Im nahen Osten Bezeichnung für Besiedlungshügel bestehend aus übereinandergeschichteten antiken Ruinen bzw. angehäuftem Trümmerschutt. Die Hügelbildung ist eine Folge des in der Region vorherrschenden Brauches, beim Häuserbau Schlammziegel zu benutzen, die, anders wie Holz- oder Steinmaterialien, nicht wieder verwendet werden können und rasch verfallen, wenn sie nicht durch Verputz geschützt werden. Bei Feuerbrünsten weden Schlammziegel hart gebrannt und auf diese Weise dauerhaft. Wiederholte Neubauten an gleichen Platz führen zur Schutthügelbildung. Es kann vorkommen, dass besser gebaute Tempel oder Paläste auf einer niedrigeren (älteren) Ebene liegen als ungebende neuere Wohnquartiere aus Schlammziegel. Wenn der Hügel im Laufe der Zeit höher wird, können weniger Häuser auf seinem "Gipfel" gebaut werden, was zur Anlage von Häusern auf den terrassierten Hängen führt. Wird ein Hügel zu steil breitet sich die Siedlung unten am Fuß aus. Die Ausgrabung eines solchen Hügels stellt den Archäologen vor schwierige Interpretationsaufgaben, da einst zu gleicher Zeit bewohnte Gebäude in verschiedenen Ebenen liegen können. Auch kann die oberste Schicht eines Hügels aus der gleichen Zeit stammen wie die unterste Schicht eines daneben entstandenen zweiten späteren Tell. Es ist augenscheinlich, dass unter den geschilderten Umständen die Stratigraphie als sorgfältige Untersuchung aufeinander folgender Schichten von großer Bedeutung ist.




Stratigraphie:

Die grundlegede Ausgrabungsregel ist das einleuchtende Prinzip, dass tiefere Schichten älter sind als die darüber befindlichen. Die chronologische Auswertung der Schichtenfolgen (Stratigraphie) wurde im 19. Jahrhundert zunächst von der Geologie entwickelt. Ihre Übernahme durch die Archäologie führte zu einer prinzipiellen Verbesserung der Ausgrabungstechnik und einer besseren Auswertung der Grabungsergebnisse.

Bedeutende Grabungshügel im Vorderen Orient:

Tell el=Armana, Siehe El-Armarna.
Tell Kamid el-Loz (Kumidi)
Tell Mumbaqat (Tall Munbaqa-Ekalte II)

Literatur
Hachmann, R. Vademecum der Grabung Kamid el-Loz Saarbrücker Beitr. Zur Alterskunde 5), Bonn 1969; Hachmann R. Ausgrabungen in Kamid el-Loz 1971-74 Bericht über die Ergebnisse der Ausgrabungen in Kamid el-Loz in den ersten Jahren, Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde Band 32, Bonn 1982, ISBN 3-7749-1896-1, W. Orthmann: Der Alte Orient, Propyläen Kunstgeschichte, Bd. 14 (1974; W. Orthmann/H. Kühne, Mumbaqat 1973, Vorläufiger Bericht über die von der Deutschen Orient-Gesellschaft mit Mitteln der Stiftung Volkswagenwerk unternommenen Ausgrabungen, (1974) 53-97; W. Orthmann, Mumbaqat 1974. Vorläufiger Bericht über die von der Deutschen Orient-Gesellschaft mit Mitteln der Stiftung Volkswagenwerk unternommenen Ausgrabungen, MDOG 108(1976) 25-44; A. Maurer: Ausgrabungen 1977 in Mumbaqat am Syrischen Euphrat, Vortrag am 17.03.1978 in Berlin Schloß Charlottenburg ; E. Kretz, Ein Töpferofen mit Lochtenne und Kuppel in Mumbaqat, in: Festschrift für Martin Graßnick, ed. Fachbereich Architektur / Raum- und Umweltplanung / Bauingenieur-wesen der Universität Kaiserslautern, 1987, 267-270.


 


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